So ist die Kremlogie von heute: Da äußern sich der russische Präsident Dmitri Medwedew und sein Premier-Minister Wladimir Putin etwas vage und unklar über die russischen Präsidentenwahlen 2012 und schon gehen die wildesten Spekulationen eines Machtkampfes durch die Medien. Der Grund: Seit Beginn dieser eigenwilligen Rochade in den zwei wichtigsten Staatsämtern der russischen Politik warten alle Beobachter auf eine Auseinandersetzung zwischen Medwedew und seinen Ziehvater Putin. Und es ist sicherlich auch nicht völlig auszuschließen, dass es mal zu so einem Konflikt kommt, doch die Äußerungen der beiden in den vergangenen Tagen sollten nicht unbedingt als Indiz dafür genommen werden.
Dass beide für sich eine wichtige Rolle nach 2012 reklamieren und es nicht vollkommen ausschließen, bei der Präsidentenwahl 2012 anzutreten, entspricht der Logik der von ihnen geschaffenen Tandemokratie. Seitdem Putin das Amt eines starken Regierungschefs angetreten hat, ist klar, dass er die Macht in Russland nicht so einfach aus den Händen geben will. Er hat auch nie ausgeschlossen, nicht doch wieder ins das Präsidentenamt zurückzukehren. Zugleich ist es für Präsident Medwedew, aber auch für Putin wichtig, dass Medwedew nicht bereits zwei Jahre vor der nächsten Präsidentenwahl als schwach und handlungsunfähig erscheint. Es ist im Sinne Putins, wenn Medwedew in gewisser Hinsicht als eigenständig wahrgenommen wird. Deshalb musste auch Medwedew seine politischen Ambitionen in vager Form äußern. Die ganze von Putin geschaffene Tandemokratie macht nur Sinn, wenn Medwedew bis 2012 als starker und machtbewusster Präsident gesehen wird.
Eine echte Sensation wäre es nur gewesen, wenn einer der beiden bereits jetzt – im September 2009 – seinen Rückzug aus der russischen Politik nach 2012 bekannt gegeben hätte. Die aktuellen Aussagen von Medwedew und Putin sind dagegen bei näherem Hinsehen nichts Überraschendes und sind ganz im Sinne der praktizierten Doppelherrschaft.
Vielmehr ist die Diskussion über die nächste Präsidentenwahl völlig irrelevant, solange sie nicht zeitlich vorverlegt wird. Entscheidend für Wahl in 2012 ist die Politik des Duos Medwedew-Putin in den nächsten zweieinhalb Jahren. Russland steht auch ohne internationale Finanz- und Wirtschaftkrise vor immensen Herausforderungen, wie selbst Präsident Medwedew immer wieder betont. Für die Operation Nachfolger 2.0 im Jahre 2012 dürfte also von viel größerer Bedeutung sein, mit welchen Mitteln die russische Führung die Krise bewältigen wird und zu welchem Ergebnis sie dabei kommt. Dass es dabei in den nächsten Jahren nicht doch noch zu Differenzen und Auseinandersetzungen zwischen Präsident Medwedew und Ministerpräsident Putin kommt, ist aber auch nicht auszuschließen.
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